Poetisches von Oskar STOCK: „Das Nasenhaar“ – „Brillenkuss“

Das Nasenhaar

 

Auf der Couch, der Fridolin,
sitzt Fernsehen schauend und neben ihm,
blickt seine Frau ihn dann und wann,
gar seltsam von der Seite an.
Und aus den Augenwinkeln spürt
er, dass sie was im Schilde führt,
und so, sich keiner Schuld bewusst,
sieht weiter Fernsehen er, mit Lust.
Da rutscht sie gar in seine Näh’,
dass sie ihn etwas besser säh’,
und Fridolin denkt ahnungslos:
Was hat sie nur? Was will sie bloß?
Dann an die Nase rasch ein Griff,
ein Festhalten, ein Ziehen, Kniff.
Ein Nasenhaar liegt auf der Couch,
sie war erfolgreich, doch er brüllt: „Autsch!“

Brillenkuss

 

Wenn sich zwei Menschen, Mann und Frau,
küssen wollen, dann genau,
gibt’s Schwierigkeiten, häufig grad,
wenn jeder eine Brille hat.
So stehen beide voreinander
und möchten die Lippen aneinander …
drücken, was an für sich nicht schwer,
wenn nicht die Brille im Wege wär’.
So probieren sie’s von rechts und links,
von oben, unten, seitlich rings;
und erst, als sie sie abgenommen –
sind zueinander sie gekommen.
Foto: O. Stock priv.

 

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